Auf der Suche nach Profil
Baden hat das Potenzial des Weißburgunders noch nicht ausgeschöpft / BZ-Test mit 170 Weinen
VON GEROLD ZINK UND MANFRED DÜRBECK(Redakteure der © Badischen Zeitung)
KENZINGEN-BOMBACH. Wollen die badischen Winzer mit dem Weißburgunder auf breiter Front in die nationale und internationale Spitzenklasse vordringen, dann müssen sie sich in den nächsten Jahren mehr um diese Rebsorte kümmern. Dies ist das Fazit der großen Weißburgunderprobe der Badischen Zeitung, zu der 112 Betriebe insgesamt 170 Weine eingeschickt hatten.
Baden gilt als die Burgunder-Oase Deutschlands und möchte sich besonders mit den Rebsorten der Burgunderfamilie auf dem hart umkämpften Weinmarkt profilieren. Doch während die Qualität beim Spät- und Grauburgunder in den letzten zehn Jahren spürbar zugenommen hat, ist sie beim Weißburgunder offenbar stehen geblieben. Das ist das Fazit nahezu aller Tester. Einige Weine in der Probe waren fehlerhaft - in der Kategorie unter zehn Mark sogar eine beträchtliche Menge, viele nur Durchschnitt. Wirkliche Topweine waren die Ausnahme.
Norbert Weber, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes und Weißburgunder-Liebhaber, brachte es auf den Punkt: Baden ist noch auf der Suche nach einem Weißburgunder-Leitbild. Zu viel Alkohol und zu viel Restsüße sind nicht immer positiv, oft ist das Säure-Süße-Spiel nicht ausgewogen." Bei den Weißburgundern über zehn Mark stimmte darüber hinaus auch das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht immer. Etwas mehr Selbstkritik bei den Winzern würde hier nicht schaden", sagte Walter Eberenz, Redakteur beim Landwirtschaftlichen Wochenblatt in Stuttgart.
Die Säure der Weißburgunder oft zu "grasig" fand Arndt Köbelin, Kellermeister der WG Durbach, der mit seinem Wein in der Kategorie über zehn Mark den ersten Platz belegte. "Die Betriebe haben wenig hinzugelernt", urteilte Ralph Schmidt von der Weinhandlung Drexler. Die "klassisch schöne Frucht" des Weißburgunders und die "präsente Säure" vermisste er oft.
Aber warum haben die Weißburgunder nicht das Qualitätsniveau der Grau- und Spätburgunder? "Zu hohe Erträge und keine selektive Lese" wie bei den anderen beiden Sorten, glaubt Andreas Laible, Weingutsbesitzer aus Durbach, als Ursachen erkannt zu haben. Der Weißburgunder sei ein Wein, der viel Sorgfalt beanspruche und keine Fehler verzeihe. Eine Einschätzung, die auch die Tester der Kategorie "Weißburgunder unter 10 Mark" teilten.
Neben der vorherrschenden Kritik gab es aber auch positive Stimmen. So waren sich die Juroren einig, dass der Weißburgunder durchaus eine Rebsorte ist, die zu Baden passt und vor allem auch als Essensbegleiter eine Zukunft besitzt. Tobias Burtsche vom Staatsweingut Freiburg & Blankenhornsberg sah ihn wie Julia Hurst, Ex-Badische Weinkönigin, als "idealen Tischwein zu leichten Speisen, Spargel und Fisch". Vorausgesetzt der Winzer werde den hohen Anforderungen gerecht, die die filigrane Sorte an die Arbeit in den Reben und im Keller stellt. Niemand ging aber am Ende so weit wie Gert Hügle vom Bombacher Weingut Kirchberghof, der davor warnte, weitere Flächen mit Weißburgunder zu bestocken.
Offen blieb am Ende der Diskussion, ob es möglich sein wird, für den Weißburgunder - ähnlich wie für seinen wuchtigen Bruder, den Grauburgunder - ein klares Sortenprofil zu entwickeln, um ihn am Markt erfolgreicher als bislang zu positionieren. Dass er das verdient hätte, bewiesen die Weine, die im BZ-Test die vorderen Plätze belegten. Nicht wenigen wurde darüber hinaus durchweg eine sehr gute Qualität bescheinigt.
Allen voran natürlich den Siegerweinen: dem 2000er Freiburger Jesuitenschloss Weißburgunder Kabinett trocken des Staatsweingutes Freiburg & Blankenhornsberg, dem 2000er Freiburger Steinler Weißburgunder Kabinett trocken des Freiburger Weinguts Schlatthof und der 2000er Durbacher Steinberg Weißburgunder Spätlese trocken der Winzergenossenschaft Durbach.
Punktgleich waren die beiden Weine vom Blankenhornsberg und Schlatthof ins Ziel gekommen, obwohl sie vom Charakter durchaus die Eckpunkte der Ausbaumöglichkeiten markierten. Der erste, mit fruchtigem Schmelz und dezentem Säurespiel und, weil sehr spät gelesen, entgegen der Meinung manchen Testers ohne biologischen Säureabbau (4,1 Gramm Restzucker und 5,6 Gramm Säure). Der zweite deutlich schlanker, spritziger, mit spürbarer Säure (3,9 RZ, 6,1 S). Schließlich der Durbacher Steinberg, ein Erstlingswerk des neuen WG-Kellermeisters Arndt Köbelin. Er vereinte all die Qualitäten, die man sich von einem Spitzen-Weißburgunder verspricht: viel Frucht, Schmelz und eine betörende Aromenvielfalt.
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